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Cannabis Privatrezept online per Telemedizin in Deutschland: 7 Plattformen und rechtliche Fragen für Patienten

Telemedizin hat verändert, wie Patienten in Deutschland an ein Cannabisrezept gelangen: Fragebogen, Videosprechstunde und E-Rezept haben den Weg über die Praxis ergänzt. Mit den neuen Wegen sind auch Fragen gewachsen, etwa wer verordnet, wer haftet und wer zahlt. Die sieben Plattformen unten beantworten sie unterschiedlich ausführlich, die folgende Übersicht stellt ihre veröffentlichten Angaben nebeneinander, mit Honoraren, Rollenbeschreibungen, Siegeln und Bewertungen, jeweils so, wie die Anbieter sie selbst nennen. Wo ein Wert fehlt, steht „Nicht angegeben“ in den Tabellen, und ein Rezept stellt am Ende immer der Arzt aus.

Sieben Plattformen: Angaben, Vorteile, Nachteile

weed.de: für den Einstieg per Fragebogen oder Videosprechstunde mit klar benannten Honoraren

Das Lexikon von weed.de führt 2.618 Sorten, der Vergleich 2.105 Produkte in 251 Apotheken, dazu kommen 153 gelistete Hersteller und Marken. Dazu kommen eine Quellenliste auf der Patientenseite, ein Wissensbereich mit Beiträgen zu Terpenen und Cannabinoiden und ein THC-Rechner. Die Plattform bündelt damit Information und Anfrage an einem Ort.

Der Fragebogen kostet 9,95 €, die Videosprechstunde 29,90 €, beides ohne Medikament. Approbiert sind die Ärzte in Deutschland oder im EU-Ausland, rund um die Uhr lässt sich anfragen, eine Antwort kommt laut Anbieter meist innerhalb von 24 Stunden. Für Praxistermine nutzen Patienten die Arztsuche.

Rechtlich beschreibt sich weed.de als weder Arzt noch MVZ noch Apotheke. Betrieben wird die Plattform von einer GmbH mit Sitz in der Hauptstadt. Das Unternehmen erklärt, Daten nicht zu verkaufen, bei Trustpilot steht es bei 4,4 von 5 aus 59 Bewertungen.

Bezahlt wird über Adyen per Karte, Apple Pay, Google Pay oder Überweisung. Ein Hilfe-Center beantwortet Fragen zum Ablauf, Für Folgerezepte genügt ein Kurzfragebogen im Konto, Apps gibt es für iOS und Android. Das Unternehmen gibt an, es habe über 21.000 Nutzer, eine Zahl, die sich auf der Seite nicht belegen lässt.

Vorteile

  • Honorare vorab sichtbar
  • Quellenliste und Wissensbereich
  • Vergleich von Preisen und Beständen

Nachteile

  • Keine Rezeptzusage
  • Keine Kassenerstattung über private Online-Rezepte

DoktorABC: für mehrere Behandlungen in einem Konto

DoktorABC nennt umfangreiche Mengenangaben: mehr als 700 Partnerapotheken in Deutschland, über 1.500 Cannabisprodukte, darunter mehr als 30 Extrakte, über 20 orale Optionen und mehr als 25 Vape-Formate. Der Bestand wird laut Anbieter in Echtzeit abgebildet.

Den Fragebogen beurteilt ein zugelassener Arzt, 14,90 € kostet das Rezept samt Prüfung. Geliefert wird per DHL, per Express über einen Uber-Kurier oder mit Abholung am selben Tag. Eine Ein-Klick-Funktion wiederholt Behandlungen, unter mehr als 40 Kategorien ist Cannabis nur eine.

Die Plattform versteht sich als Vermittler und nicht als Internetapotheke, Betreiber ist Sky Marketing Ltd. in London. Ein LegitScript-Siegel und ein medizinischer Beirat werden ausgewiesen, Bewertungen nennt die Seite bei eTrusted mit 4,78 und bei Trustpilot mit 4,7.

Erreichbar ist der Kundenservice an Werktagen tagsüber, danach fängt ein Ticketsystem Fragen auf. Bezahlt wird per Klarna, Karte, Google Pay, Apple Pay, SEPA oder PayPal. Nutzbar ist der Dienst ohne Versicherung, Erstattungsanträge stellen Selbstzahler selbst, und die Plattform ist neben Deutschland auch in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz aktiv.

Vorteile

  • Großer Apothekenbestand in Echtzeit
  • Mehrere Lieferoptionen
  • Mehrere Behandlungen in einem Konto

Nachteile

  • Cannabis nur ein Teil des Angebots
  • Betreiber mit Sitz in Großbritannien

CannGo: für Anfragen mit festem Honorar

CannGo verlangt eine Identitätsprüfung: Ein gültiger Ausweis ist nötig, die Staatsbürgerschaft spielt keine Rolle, eine Wohn- oder Lieferadresse in Deutschland genügt. Die erste Anfrage läuft allein über den Fragebogen, ob ein Gespräch folgt, entscheidet der Arzt.

Das Honorar liegt bei 14,99 € je Anfrage inklusive Mehrwertsteuer und wird bei Ablehnung vollständig erstattet. Ausgestellt werden ausschließlich Privatrezepte. Wer gesetzlich versichert ist, liest auf der Seite, dass der Medizinische Dienst vorab zustimmen muss.

Der Live-Bestand umfasst über 350 Apotheken und mehr als 1.400 Blüten, im Preisvergleich beginnen Blüten bei 2,69 € pro Gramm, der Versand kostet extra. Die Seite weist auf Abhängigkeitspotenzial und eingeschränkte Fahrtüchtigkeit hin, bei Trusted Shops steht CannGo bei 4,79 von 5 aus 17.518 Bewertungen.

Folgeanfragen laufen über ein Dashboard, Zahlungen per Mastercard, Visa, Apple Pay, Google Pay oder Klarna. Der Support erfolgt per E-Mail und über eine Telegram-Community, die Seite nennt außerdem LegitScript- und PCI-Siegel. Ratgeber erklären Rechtslage, Kosten und Darreichungsformen.

Vorteile

  • Fester Betrag mit Rückerstattung
  • Ratgeber und Seiten für zehn Städte
  • Seite auf Deutsch und Englisch

Nachteile

  • Nur Privatrezepte
  • Bei der Erstanfrage kein Standardgespräch

Telecan: für das Arztgespräch per Video oder in der Praxis

Bei Telecan sind Papiere nötig, nämlich Ausweis und Befunde über die Beschwerden, ausgenommen Schlafstörungen. Nach dem Fragebogen bei der Registrierung folgt ein Gespräch mit einem in Deutschland zugelassenen Arzt, der nach Anbieterangaben nur in Privatpraxen arbeitet.

Ein kurzer Ersttermin kostet 39 €, ein langer 70 €, jedes Folgerezept 12,90 €. Zunächst zahlen Patienten selbst, privat Versicherte hoffen auf Erstattung, bei gesetzlichen Kassen ist ein Antrag im Einzelfall denkbar.

Das Rezept wird bei Partnerapotheken mit digitaler Anbindung eingelöst. Als Nachweis gibt es nach dem ersten Rezept Patientenausweis oder Kurzattest, wer wechselt, nutzt den Wechseltermin.

Telefonisch ist Telecan nur zu bestimmten Wochentagen und festen Zeiten erreichbar, Fragen per E-Mail sind jederzeit möglich. Als Partner nennt die Seite Apotheken mit digitaler Anbindung, darunter die Hohenzollern Apotheke und Asavita, der Preis des Medikaments hängt von Produkt und Apotheke ab.

Vorteile

  • Persönliches Arztgespräch
  • Wechseltermin für bestehende Patienten
  • Folgerezept für 12,90 €

Nachteile

  • Ersttermine kosten 39 € bis 70 €
  • Befunde nötig, außer bei Schlafstörungen
  • Telefon nur zu festen Zeiten

5Swan: für fortlaufende Videobetreuung

5Swan baut auf Video: Das Erstgespräch dauert 25 Minuten, Folgetermine begleiten den Verlauf, ein individueller Behandlungsplan schließt das Rezept ein. Nach der kostenlosen Registrierung beantworten Patienten einen Fragebogen von unter fünf Minuten und buchen im Online-Kalender.

Das Honorar liegt pro Termin laut FAQ bei 25 bis 65 €. Alle Ärzte besitzen laut Unternehmen eine deutsche Approbation, Krankenkassen übernehmen nichts, weil die Ärzte nicht niedergelassen sind. Die genannte Apotheke bekommt das Rezept elektronisch.

Eigenangaben des Unternehmens: rund 2.500 Patienten und 20.000 Rezepte. Die FAQ erwähnen mögliche Nebenwirkungen und empfehlen Begleitung während der ersten 14 Tage.

Der Dienst arbeitet nur online, die Anmeldung erfolgt mit Passwort oder Code, geliefert wird laut Anbieter in wenigen Tagen. Zum Angebot zählen Seiten zu Beschwerdebildern und ein Blog, Aussagen dort ersetzen keine ärztliche Beratung.

Vorteile

  • Feste Arztbeziehung
  • Namentlich genannte Ärzte
  • Kostenlose Registrierung

Nachteile

  • Keine Fragebogenlösung ohne Gespräch
  • Nur online

CanDoc: für die Auswahl der Sorten vor der Arztprüfung

CanDoc verkürzt den Weg zwischen Anfrage und Bestellung: Mit dem Expresskauf bei zwei Partnerapotheken begleichen Patienten Gebühr und Medikament in einem Schritt. Vorher wählen sie im Live-Bestand bis zu sechs Sorten aus.

Das Erstrezept kostet laut FAQ 10 €, das Folgerezept 5 €, ein Videotermin 35 €, mit zeitweisen Aktionen für 0 €. Bei Ablehnung werden die Gebühren zurückgezahlt. Die Ärzte stammen laut Startseite aus Deutschland, laut FAQ aus Deutschland und der EU. Eine Kassenerstattung wird nicht abgewickelt.

Die Seite zeigt ein LegitScript-Siegel und ein Siegel aus dem BfArM-Apothekenregister, Produkte gelten als GMP-zertifiziert. Die Trusted-Shops-Wertung liegt bei 4,51, die Zahl der Bewertungen bei über 10.600.

Zahlungen laufen über Mollie, eine Registrierung ist zum Start nicht nötig. Seiten für über 25 Städte und ein THC-Rechner ergänzen den Auftritt, weitere Partnerapotheken sind Sky Cannabis, Canthera und Medicflow.

Vorteile

  • Sortenwahl vor der Arztprüfung
  • Rückerstattung bei Ablehnung
  • Digitaler Patientenausweis für 10 €

Nachteile

  • Gemeinsamer Checkout nur mit zwei Partnerapotheken
  • Zahlungslink nur 60 Minuten gültig

Bloomwell: für App-Nutzer mit Telefonsupport

Bloomwell nutzt für das E-Rezept D-Trust der Bundesdruckerei, wie das Unternehmen angibt. Die App führt Fragebogen mit Dokumenten-Upload, Rezept und Bestellung zusammen, zur Wahl stehen eine Rezeptanfrage und ein kurzer Online-Termin.

Abgerechnet wird nach GOÄ: 25,22 € für die Anfrage, 28,25 € für ein Folgerezept nach einem Termin. Eine Aktion erlässt zeitweise das Honorar der Anfrage. Die Plattform sitzt nach eigenen Angaben in Frankfurt am Main und nennt mehr als 65 Cannabis-Ärzte, den Ort der Zulassung nennt die Startseite nicht.

Der Live-Bestand zeigt über 800 Blüten, das Partnernetz umfasst mehr als 30 Apotheken. Eine Hotline mit 0800-Nummer, E-Mail und ein WhatsApp-Kanal stehen für Rückfragen bereit, private Versicherer erhalten auf Anfrage eine Rechnung.

Zahlungswege sind unter anderem Klarna, American Express, Mastercard, Visa sowie die Wallets von Google und Apple. Das Unternehmen spricht von über 500.000 Kunden, was eine Eigenangabe ist, und die App enthält zudem einen Gutachtenservice, einen Shop für Zubehör und einen Bonus für Empfehlungen.

Vorteile

  • Gesamter Ablauf in einer App
  • Telefonsupport und WhatsApp
  • Rechnung für Privatversicherte

Nachteile

  • Honorar nur zeitweise erlassen
  • Ort der ärztlichen Zulassung nicht genannt

Der Vergleich in einer Tabelle:

Anbieter

Honorar

Rechtlich relevante Angabe

Bewertung laut Seite

weed.de

9,95 € oder 29,90 €

Weder Arzt noch Apotheke

Trustpilot 4,4 (59)

DoktorABC

14,90 €

Vermittler

Trustpilot 4,7

CannGo

14,99 €

Nur Privatrezepte

Trusted Shops 4,79

Telecan

39 € oder 70 €

Ärzte nur in Privatpraxen

Nicht angegeben

5Swan

25 bis 65 €

Kassen zahlen nicht

Nicht angegeben

CanDoc

10 € Erstrezept

Keine Kassenabwicklung

Trusted Shops 4,51

Bloomwell

25,22 €

Abrechnung nach GOÄ

Nicht angegeben

Rechtliche Eckdaten

Fünf Punkte fassen den Rahmen zusammen, soweit er sich aus den veröffentlichten Angaben ergibt. Erstens: Online zu verordnen und per Apotheke zu versenden ist derzeit möglich, so die vorliegenden Angaben. Zweitens: Ein Gesetzentwurf will bei Blütenrezepten persönlichen Arztkontakt vorschreiben und den Versand verbieten, er liegt im Gesundheitsausschuss. Drittens: Die Verordnung stellt der Arzt aus, die Abgabe übernimmt die Apotheke.

Viertens: Privatrezepte bezahlen Patienten selbst, für getrocknete Blüten gibt es keine Kassenleistung, bestimmte Extrakte und Fertigarzneimittel bleiben unter engen Auflagen erstattungsfähig. Fünftens: Die Angaben der Plattformen sind Eigenangaben, die sich auf Rollen, Siegel, Bewertungen und Zulassungen beziehen und nicht unabhängig geprüft wurden. Dieser Text bewertet sie nicht rechtlich und ersetzt keine Rechtsberatung.

Für wen sich welche Plattform eignet

Die Wahl hängt davon ab, was Ihnen vor und während der Anfrage wichtig ist. Wer vor der Anfrage Preise, Sorten und Quellen vergleichen möchte, findet bei weed.de die Verbindung aus Information und Anfrage. Wer mehrere Behandlungen bündelt, schaut zu DoktorABC. Für einen festen Betrag mit Erstattung bei Ablehnung steht CannGo, für Terminberatung Telecan und 5Swan, für die Sortenwahl vor der Prüfung CanDoc, für einen App-Ablauf mit Telefonsupport Bloomwell.

Fazit

Sieben Plattformen zeigen drei Modelle: Fragebogen mit Vergleich, Termin mit Gespräch und App mit Bestand. weed.de verbindet Quellen, Preisvergleich und Anfrage, die übrigen Anbieter setzen eigene Schwerpunkte. Prüfen Sie vor der Anfrage Honorar, Unterlagen und Bedingungen und klären Sie Einzelfragen mit dem Arzt. Zusätzlich lohnt ein Blick auf Zahlungswege, Fristen wie den 60-minütigen Zahlungslink bei CanDoc und die Frage, ob Honorare bei Ablehnung erstattet werden, denn das regeln die Plattformen unterschiedlich.